Dampf und Nebel

Weil mein Co-Autor Yvo bereits in der Probezeit schon wieder Urlaub einzieht, dürft ihr wieder mit meinen Reiseberichten vorlieb nehmen… Er kommt aber zurück, versprochen!

28. – 29. Dezember: Für Donnerstagmorgen haben wir eine geführte Wanderung auf den Mt Tarawera, einen schlafenden Vulkan, gebucht (letzter Ausbruch 1886). Geführt, weil die Wanderung nur so möglich ist und der Start der Wanderung sich zudem am Ende einer 4WD-Strecke befindet. Im Nachhinein aber vielleicht sowieso gut, dass sie geführt war, weil wir sonst vermutlich im dichten Nebel verloren gegangen wären… Die Wanderung verspricht fantastische Ausblicke über und in den Krater und die Bilder im Internet sehen traumhaft aus (könnt ihr googeln, wir können sie leider hier nicht liefern 😶‍🌫️)… In Rotorua sind bereits am Vorabend dichte Wolken übers Land gezogen, welche sich auch während unseres ganzen Wandertages nicht verziehen. Die Sicht ist entsprechend bescheiden, etwa so wie damals während unseren Ferien in Lappland oder wenn die Wolken am Walensee auf „Halbmast“ hängen… Die Wanderung ist aber trotzdem reizvoll und die Vulkanlandschaft sehr faszinierend. Yvo kann seine Freude jeweils kaum im Zaum halten, wenn auf losem Untergrund beim zeitweise ziemlich steilen Aufstieg auf zwei Schritte einer davon zurückrutschend wieder verloren geht und hat vermutlich innerlich fluchend sein noch nicht ganz überwundenes Namibia-Dünen-Trauma nochmals aufgefrischt… Nachdem wir den Gipfel aber erfolgreich erklommen haben, erhalten wir einen kurzen Technik-Crashkurs (im wahrsten Sinne) für den Abstieg, um bei einem allfälligen Sturz auf die hinteren und nicht auf die vorderen Backen zu fliegen… Dann geht’s auch schon runter vom 1111m hohen Gipfel in den Krater hinein. Der „Abstieg“ ist grandios und Fun der höchsten Kategorie, weil man – Hacken voran – im losen Geröll „lockerflockig“ den erst etwas weniger steilen Übungshang und dann den ziemlich steilen Abstieg in den Krater relativ mühelos runter „sliden“ kann. Die Krux ist nur, dass man aus dem Krater am Schluss nochmals hochkraxeln muss, um wieder den Parkplatz zu erreichen 😅

Der Rest unserer Zeit in der Gegend um Rotorua ist geprägt von dampfenden Landschaften. Wir besuchen erst Te Puia, vermutlich einer der touristischsten Orte in Rotorua, wo wir zwar nebst ein paar blubbernden Schlamm-Löchern, heissen Thermalquellen und einem Geysir auch noch etwas über die Handwerkskunst der Māoris erfahren, im Lauftempo durch ein Kiwi Conservation Centre eilen dürfen (die Tiere schlafen aber und sind deshalb nicht zu sehen – passt irgendwie zu unserem Tag des „Nichts-Sehens“) und am Buffet Essen aus dem Hangi, den handgegrabenen Erdöfen der Māoris, probieren können. Aber eigentlich ist das alles reine Touri-Abzocke, total durchgetaktet und kann man sich unserer Meinung nach auch sparen. Deshalb geniessen wir es umso mehr, dass wir am nächsten Tag südlich von Rotorua auf eigene Faust und in unserem Tempo durch die dampfende und nach Schwefel stinkende Landschaft von Wai-O-Tapu wandern und uns die surreale Landschaft, kollabierte Krater, heisse Quellen und die durch Minerale gefärbten und trotz verhangenem Himmel in allen Farben leuchtenden Seen und Tümpel anschauen können. In regelmässigen Abständen weisen leuchtende Tafeln darauf hin, dass man bei einem länger als 30 Sekunden dauernden Alarm das Gebiet SOFORT verlassen soll und wenn man es sich so überlegt, ist es schon krass, was da unter unseren Füssen so vor sich hin brodelt. Abgesehen von den ganz normalen „Blubbs“ rund um uns herum bleibt aber alles still und ungefährlich.

Ach ja, in Rotorua haben wir uns übrigens nicht mehr „up close and personal“ sondern nur noch aus sicherer Entfernung von den Alpakas in unserem B&B verabschiedet. Wer den letzten Blog-Eintrag gelesen hat, weiss warum….

Die Weiterfahrt Richtung Süden ist dann irgendwie geprägt von Regen, schlechter oder gar keiner Sicht und einem kurzen Stopp bei den Huka Falls und am Lake Taupo. Irgendwie ist es vorwiegend einfach nass… Wenn sich dann aber plötzlich und meistens nur für sehr kurze Zeit ein Loch in den Wolken auftut, kreiert das mitunter spektakuläre Stimmungen. Wir wissen vom Blick auf die Karte auch, dass wir in der Gegend des Tongariro Nationalparks an drei noch aktiven Vulkanen vorbeifahren, ihr könnt es euch aber schon denken: Wir haben sie leider aufgrund des schlechten Wetters nicht sehen können… Dafür haben wir für die nächsten zwei Nächte in einem wunderschönen B&B eingecheckt und ein leckeres Abendessen in Ohakune genossen, Auf dem Rückweg zur Unterkunft hat es uns passend zu den letzten zwei Tagen dafür nochmals richtig verregnet und aktuell erinnert das Wetter draussen eher an einen Herbststurm als an den Hochsommer. Mal schauen, ob wir uns morgen besser mit Wanderschuhen oder mit Schwimmhäuten ausrüsten. Die Wettervorhersage spricht für zweites, unsere bisherige Neuseeland-Erfahrung hat uns aber auch gelehrt, dass es meistens besser kommt als vorhergesagt, und die Neuseeländer machen ja gerne Witze darüber, dass man hier alle vier Jahreszeiten an einem Tag erleben kann.

30. Dezember: Weil das mit den Fotos raufladen aufgrund der schlechten Verbindung gestern nicht ganz geklappt hat, kommt jetzt eben noch ein (halber) Tagesbericht dazu 😉 Falls ihr euch übrigens wundert, warum wir so fleissig schreiben – also meistens ich – das ist ganz einfach dem Umstand geschuldet, dass unsere Hirnkapazität so ihre Grenzen hat und die Erinnerungen deshalb besser zeitig festgehalten werden…

Heute steht wandern im Tongariro Nationalpark auf unserem Plan. Ehrlich gesagt kann man hier gar nicht viel anderes machen, denn Ohakune mausert sich erst so langsam von einer Ski- auch zu einer Sommerdestination. Was sie aber bereits jetzt schon haben, sind viele tolle Restaurants und von daher eigentlich schade, dass wir nur zwei Abende Zeit haben, um diese auszuprobieren. Aber zurück zum Wandern 🥾 Die Route wird spontan dem Wetter angepasst und obwohl es beim Frühstück noch einigermassen freundlich ausschaut, hängen die Wolken noch immer tief, resp. etwa siebenschichtig am Himmel und je weiter wir in den Park fahren, desto grauer wird es wieder – ist ja bei uns in den Bergen ähnlich, uns also nicht ganz unbekannt. Wir entscheiden uns deshalb für den gut zweistündigen Taranaki Falls Track, den wir optional noch bis zu den Tama Lakes (total 5-6h) verlängern könnten… Der Wanderweg ist super schön, abwechslungsreich, führt erst durch Buschland, dann durch den Wald mit üppigster Vegetation und kommt erst kurz vor dem Wasserfall wieder etwas mehr ans Tageslicht. Der Wasserfall ist wirklich spektakulär, hat ja auch ein bisschen Wasser bekommen in den letzen Tagen 😉 Auch auf uns spritzt es bald nicht mehr nur vom Wasserfall her, sondern ganz schön grosszügig auch wieder vom Himmel… Wir machen uns deshalb nach dem Wasserfall direkt auf den Rückweg, werden noch bis auf die Unterhosen nass, finden es aber trotzdem eine sehr lohnenswerte und auf jeden Fall auch erlebnisreiche Wanderung. Die anschliessende Dusche, die unsere Körpertemperatur wieder in den Normalbereich bringt und ein bisschen abhängen in unserer wunderbaren Unterkunft, haben wir unserer Meinung nach verdient. Gerne würden wir noch einen Blick auf die drei aktiven Vulkane vor unserer Haustür, Mt Ruapehu, Mt Tongariro und Mt Ngauruhoe erhaschen, aber eben, dazu müssten sich erst etwa sieben Wolkenschichten auflösen, aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt…

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