Ab in den Süden

3. – 4. Januar: Wir haben soeben den Hafen von Wellington verlassen und sitzen auf der Vormittags-Fähre Richtung Süden. Unser Autöli haben wir natürlich auch mit dabei, dieses ist aber für die nächsten dreieinhalb Stunden auf dem Autodeck eingesperrt. Ein guter Zeitpunkt, um auch die Erlebnisse aus Wellington noch kurz festzuhalten. Mal schauen, ob der Magen mitmacht, die See ist aktuell trotz einigermassen starkem Wind noch ziemlich ruhig.

Wir sind am Dienstagabend in Wellington angekommen und mit ziemlich zünftigem Wind empfangen worden. Wellington wird nicht umsonst auch „Windy Welly“ genannt. Allerdings ist die Stadt ihrem Namen am nächsten Tag gar nicht mehr gerecht geworden und wir hatten herrlich schönes und warmes Wetter. Gestartet haben wir den Tag allerdings erst mal im Medical Centre, nicht ohne uns vorher mit einem Bagel frisch aus dem Holzofen gestärkt zu haben, schliesslich wollten wir auch für allfällige Wartezeiten gewappnet sein. Keine Sorge, uns geht es gut! Allerdings hat Yvo so ziemlich seit Beginn der Ferien einen ziemlich starken Husten, der erst nur tagsüber einigermassen zum Aushalten war, in den letzten Tagen nun aber auch während der Nacht ziemlich viel Aufmerksamkeit braucht und unserer Erholung nicht gerade förderlich ist. Nachdem die Medis aus der Apotheke auch nicht wirklich geholfen haben, haben wir uns in Wellington für einen Besuch beim Herrn Doktor entschieden. Der obligate Corona-Test war zum Glück negativ. Allerdings hat er eine leichte Bronchitis und die richtigen Medis sollen jetzt helfen, dass wir hoffentlich bald mal wieder durchschlafen können. Glücklicherweise hat sich die Wartezeit im Rahmen gehalten und wir konnten schon bald unseren Bummel durch die Stadt in Angriff nehmen. Die Seepromenade (also eigentlich eher Meer….) ist schön und führt direkt zum „Te Papa Tongarewa“, dem Nationalmuseum von Neuseeland. Jetzt muss man wissen, dass Yvo und ich eigentlich ziemliche Museums-Muffel sind und ein Museumsbesuch normalerweise nicht zu unseren Top-Prioritäten gehört. Allerdings machen wir aufgrund der unzähligen Empfehlungen in diesem Fall eine Ausnahme und das Te Papa steht deshalb auch auf unserer To-Do-Liste. Und der Besuch hat sich mehr als gelohnt! Das Te Papa gesellt sich definitiv zusammen mit dem 9/11 Memorial in NYC und dem Verkehrshaus in Luzern zu unseren Lieblingsmuseen 😉 Das Museum bietet verschiedene Ausstellungen und man müsste sich wohl einen ganzen Tag Zeit nehmen, um wirklich alle Exponate anzusehen. Dafür ist das Wetter aber fast zu schön, wir schaffen aber in den zweieinhalb Stunden, die wir im Museum verbringen, auch einiges. Die Ausstellung über die Rolle Neuseelands im ersten Weltkrieg, insbesondere in der Schlacht bei Gallipoli, wo NZ die Truppen des Vereinigten Königreichs unterstützt hatte – am Ende erfolglos und mit sehr vielen Verlusten – ist mit mannshohen Figuren in einzelnen Szenen eindrücklich nachgestellt. Noch nie haben wir so realitätsgetreue Menschenfiguren gesehen, zweieinhalb mal die Originalgrösse und wirklich jede Sehne, jeder Schweisstropfen und jede Hautfalte ist detailgenau nachgebildet, da kann keines der bekannten Wachsfigurenkabinette auch nur annähernd mithalten und wir waren wirklich beeindruckt. Auch die Ausstellungen zur Siedlungsgeschichte, zur Natur und Tierwelt, zu Erdbeben und vulkanischen Aktivitäten werden sehr eindrücklich und spannend vermittelt. Ein Erdbebensimulator vermittelt einen Eindruck, wie es einem bei einem Beben durchschüttelt und noch viel mehr, was einem alles aus der Umgebung um die Ohren fliegen könnte. Gerade deshalb ist es gut zu wissen, dass man unter Türrahmen oder z.B. Tischen am besten Schutz finden würde und das Motto ganz allgemein heisst „if an earthquake is LONG or STRONG, GET GONE“, d.h. sobald das Beben vorbei ist schnellstmöglich eine erhöhte Stelle aufsuchen, da ein solches Erdbeben innert Kürze auch einen Tsunami auslösen kann, was uns spätestens seit 2004 ja allen bekannt ist.

Um unsere Lungen wieder mit frischer Luft zu füllen, haben wir zu Yvo‘s Freude auch noch die 1,5 km zu den Parlamentsgebäuden unter die Füsse genommen. Nein im Ernst, er gewöhnt sich langsam dran hat sich nicht mal ansatzweise beklagt und der Fussmarsch hat sich gelohnt. Die Gebäude selbst sind sehr stattlich und befinden sich in einer wunderschönen Anlage. Die Old St. Paul‘s Church steht ebenfalls gleich um die Ecke, leider kamen wir 20 min zu spät und konnten die ausschliesslich aus Holz gebaute Kirche nur noch von aussen ansehen. Das Gebälk im Inneren haben wir verpasst, auf den Fotos schaut es aber ähnlich aus wie die Dachkonstruktion des Eishockey-Stadions in Davos 😉

Eine der grösseren Herausforderungen der letzten Tage war tatsächlich, ein gutes Restaurant fürs Abendessen zu finden. Da sich viele davon noch in der langen Weihnachtspause befinden, sind die, die offen sind, meistens ausgebucht. Und da wir nicht so gross in Voraus planen, hatten wir dann eben ein paar Mal das Nachsehen. Asiatische Restis haben eigentlich immer geöffnet, da wir aber in Napier schon zum Inder ausgewichen sind – einmal geplant, das zweite Mal eher „aus der Not heraus“ (jammern auf sehr hohem Niveau, das Essen war super lecker), mussten wir eben etwas länger suchen (und noch ein paar Zusatzschritte machen) 😅 Im Grossen und Ganzen essen wir aber immer sehr gut und sind – auch dank der wirklich vorzüglichen Frühstücks (ich weiss, ich hab‘s schon mal erwähnt) – immer noch gut genährt. Ihr müsst euch also keine Sorgen machen – aber dafür kennt ihr uns wohl gut genug.

Wir befinden uns gerade auf offener See, drum gehe ich jetzt erstmal wieder ein paar Fotos machen, schaue dass es mich nicht von der Plattform weht und dann ist Zeit für einen Snack 😉 Übrigens ist es nicht mal Yvo schlecht geworden, die See war sogar dafür zu ruhig…

Und hier noch ein paar Impressionen von der Überfahrt von der Nord- zur Südinsel – so fantastisch hätte ich mir das im Traum nicht vorgestellt und ich glaube, das braucht keine Worte, aber schaut selbst:

Bis bald wieder von der Südinsel….

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