Mit 99 Jahren…

…da fängt das Leben an! Liebs Ybrig-Grosi, ganz herzlichi Gratulation zu Dim 99giste Geburtstag, alles Gueti und vor allem gueti Gsundheit wünsched Dir die zwei Reisefüdli us Neuseeland. Es freut üs wahnsinnig, dass Du der spezielli Geburtstag bi bester Gsundheit dörfsch fierä und mir stossed etz dänn gad uf Dich a!! Mir verspriched au im Geheime, bi Dim 100ste wärded mir vor Ort si und mit Dir astosse. Gnüss Dine Tag und mach’s guet, bis glie.

Die Aufmerksamen unter Euch haben es bemerkt, der Ghetto-Blogger ist wieder am Werk. Aber wie die Einleitung schon darauf schliessen lässt, heute bin ich irgendwie milde gestimmt und mit Perwoll gewaschen. Das mag daran liegen, dass wir beim Inder bereits grossartig gegessen haben und der Apero und die Weinbegleitung unterwegs nicht verdunstet ist. Oder einfach nur daran:

Dieses Land ist einfach wahnsinnig schön. Immer wieder anders, immer wieder überraschend, und immer wieder einfach faszinierend schön. Ich will Andrea‘s Reiseblog nicht vorgreifen, aber wir sind in der Region des Mount Cook (Deutsch: Koch), der höchste Berg Neuseelands. Hier im schönen, weissen Kleid, ganz ohne irgendwelchen Gel mit Hochglanz-Schwarz-Tönung. Heute Morgen war das Wetter noch ziemlich bescheiden, auf einer Seite hat es geregnet, auf der andern hat die Sonne geschienen und vor der Haustüre hatten wir mal wieder einen atemberaubenden Regenbogen. Gewindet hat es auch, ziemlich heftig sogar, aber das ist hier eigentlich fast an der Tagesordnung. Mit jeder Minute wurde das Wetter jedoch besser und am Ende des Tages hatten wir wieder mal das fetteste Grinsen im Gesicht.

In meinem letzten Blog habe ich allerdings noch zwei weitere Themen angekündigt. Die fühlen sich zwar schon fast verjährt an, aber ein Mann ein Wort. Das Wörterbuch haut dann in den nächsten Tagen wieder in die Tasten.

Autofahren bei Dauerregen: meine charmante Reisebegleitung Andrea hat die Fahrt von Glenorchy nach Manapouri übernommen. Einerseits weil es nichts in den Reiseführern zu erkunden und nachzulesen gab, anderseits weil ich Ausschlag hatte, schlecht geschlafen, und keine Lust. Andrea fährt sowieso unglaublich gut (Kä Seich, das meine ich so), macht das mit einer einzigartigen Souveränität und Selbstverständlichkeit und mit einer Grazie, von der kann ich nur träumen. Vielleicht legt sie ab und an den Bremsabstand zum VorderMann/Frau etwas grosszügig aus, aber bisher hat der Bremsweg noch immer ausgereicht. Ich habe die Fahrt im strömenden Regen also total relaxed als Co-Pilot ohne Aufgaben genossen. Mit fortdauerndem Regen wurden auch die Pfützen (wer ein hochdeutsches Wort hierfür sucht, bitte selber im Duden suchen) auf der Strasse immer grösser und tiefer. Ich selber habe immer versucht, diese Pfützen von wegen Aquaplaning zu umfahren, sofern nicht gerade Gegenverkehr in Reichweite war. Diese Lektion habe ich auf dieser Fahrt gelernt, dieses Umfahren ist absoluter Quatsch und sowas von unnötig! Diese Seenlandschaften kann man sowas von ignorieren und volle Kanne durchrösten, absolut null Problem. Die dadurch entstehenden Wasserfontänen sehen zudem auch wirklich fantastisch aus, mindestens drei Meter hoch und ebenso breit. Hätte zwischendurch nur mal kurz die Sonne geschienen, ich bin sicher, wir hätten einen Mikroregenbogen hingekriegt. Ich war non-stop stand-by für ein entsprechendes Foto dieses Regenbogens, aber leider Gottes macht Wind keine Regenbogen sondern nur Sturmfrisuren.

Possum: diese Pelzknäuel sehen recht knuddelig aus und wir haben schon sehr viele dieser kleinen Schnügel gesehen. Einmal Einen wie er gerade das Weite aus der Strassenmitte suchte, süss! In Neuseeland gibt es rund 80 Millionen Possums und sie sind offiziell als Plage/Pest eingestuft. Sie richten einen gewaltigen Schaden an an Flora und Fauna und sie sind auch ein natürlicher Feind vieler Vögel und deren Eier. Abgesehen von diesem einen flüchtenden Possum haben wir ganz viele gesehen, als Kadaver auf den Strassen. In allen erdenklichen Zuständen, nur noch als Pelz und hundertfach überfahren, ganz frisch überfahren in einem Teil oder….. ich erspare Euch die Details. Ein Guide hat mir aber ganz eindringlich erklärt, falls ich einem lebenden Possum auf der Strasse begegnen sollte, unbedingt mitten durch, auf keinen Fall ausweichen oder bremsen. Jeder Treffer ist ein Strike und ein Beitrag zur Ausrottung dieser Plage in ihrem Land. Ich bin glücklicherweise nie in diese Situation geraten und musste entscheiden. Zur Veranschaulichung ein magenfreundliches Beispiel:

Plage 2: es gibt hier noch weitere Plagen, zum Beispiel ist die Europäische Wespe als solche eingestuft. Verstehe ich, haben wir bisher aber noch nicht entdeckt. Eine viel weniger häufig auftretende und auch nicht offiziell kommunizierte Plage ist der gemeine Touri-Bus:

Dieser Touribus mit entsprechendem Inhalt, made in Asia, tritt an speziell touristischen Orten auf. Sie kommen quasi aus dem Nichts, fluten die Attraktionen im Rudel, fotografieren was die Speicherkapazität hergibt und beherrschen die Selfie-Technik aus dem Effeff. Ihre zumeist grazile Erscheinung erlaubt es auch, dass sie immer in die vorderste Reihe drängeln können. Da sie in Gruppenformation auftreten, haben sie auch immer und überall Vortritt. Und das Outfit, vielfach eher Disneyland als Neuseeland. Aber wir amüsieren uns köstlich, zumal ja an den meisten Orten wirklich kein Massentourismus stattfindet und der Neuseelandreisende in der Regel geerdet und herrlich „normal“ ist.

Das könnte gut und gerne mein letzter Neuseeland-Blog gewesen sein. Diese Aussage verhagelt jetzt auch grad mächtig meine Stimmung, irgendwie liegt diese schwarze Wolke seit Kurzem über uns. Morgen gehen wir in einen Pure Pod (ein Glashaus in freier Natur, Andrea wird’s erklären), und zuhause haben wir immer gesagt, darauf freuen wir uns besonders. ABER, dies ist dann auch unsere letzte Station vor Christchurch und unserer Rundreise. Und nun versuche ich dies wieder zu verdrängen. Dieses Abenteuer hier ist einfach grossartig, ein grandioses Erlebnis, oftmals auch recht anstrengend (für mich zumindest), und doch extrem bereichernd. Mit Andrea zu reisen wird auch nie langweilig, sie findet in ihren gefühlt 23 Reiseführern und 37 Blogs immer wieder Orte, die wir noch besuchen und erkunden können. Auch wenn ein Tag mit kurzer Autofahrt und wenigen Attraktionen angesagt wurde durch meinen persönlich Guide, spätestens wenn wir morgens losfahren kommt die Inspiration und all die Orte, die wir unterwegs noch besichtigen und erwandern könnten. Oder sie sagt aus heiterem Himmel nach circa 30-minütiger Fahrt; heute Nachmittag könnten wir noch Kajaken gehen (an meinem Ruhe-Nachmittag). Nachdem wir dies dann erkundet haben, finde ich es in den allermeisten Fällen auch mega und möchte es nicht missen. Den einen oder andern Stein hätten wir auch einfach ignorieren können, aber das gehört zu unserem „Spiel“. Ich mache auf faule Socke und Pflegma und sie möchte die ganze Welt an einem Tag erobern und erkunden. Zumeist treffen wir uns dann irgendwo in Andrea‘s Hälfte, sind beide sehr happy damit, und ich falle am Abend zufrieden und K.O. in die Federn. Einen besseren Reise/Lebensbuddy kann ich mir nicht vorstellen. Aber ja, ich freue mich auf die tollen Menschen zuhause, ansonsten könnte ich noch ewig in der Welt rumlümmeln und neue Orte und Kulturen erkunden.

Aber hey, mein Teil unserer sechs Wochen Ferien kommt erst noch! Nächste Woche heisst es Singapore wir kommen! Wir haben ein Hotel mit Pool, und ich verwette meinen letzten Cent, dass ich dort meine Badehose zum dritten Mal gebrauchen werde!

Hebets guet und schüs Wuchenend

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