Von Regenbogen und Glashäusern

20. – 22. Januar: Wir starten den Samstag so, wie wir den Freitag beendet haben: Mit einem wunderschönen Regenbogen 🌈 Und kaum hat sich der eine verzogen, folgt schon der nächste… Die Voraussetzung, dass es einen Regenbogen gibt? Es braucht Regen, und es braucht Sonne. Und das gleichzeitig. Gibt es hier – immer wieder…

Die Krux bei dem Wetter ist einfach, dass man nie so genau weiss, was man bekommt. Der Blick aus dem Fenster ist zumindest schon mal zuverlässiger als jener in die Wetter App. Die Neuseeländer verlassen sich übrigens am ehesten auf die Vorhersage einer norwegischen Wetterstation, da diese mit Hilfe von Satelliten eine zuverlässigere Vorhersage hinkriegt als ihre lokalen „Wetterschmöcker“ 😉 Machen wir also auch. Am Samstag wollen wir nach Mt Cook Village und von dort eine ca. dreistündige Wanderung machen. Bis zum Mittag ist in den Bergen noch Regen angesagt, ab dem frühen Nachmittag soll es besser werden. Genügend Zeit also, um gemütlich zu frühstücken und dann bei schönstem Wetter und strahlendem Sonnenschein in Twizel loszufahren und unsere Wanderwädli mal wieder zu beschäftigen. Die Fahrt von Twizel nach Mt Cook gehört definitiv zu den schönsten Strecken, die wir hier gefahren sind. Wieviele solche Strecken haben wir schon in unseren Top 3? So um die zehn sicher 😂 Also sorry für die, die aufmerksam mitgezählt haben, aber wir können uns nicht auf drei beschränken… Die Strasse führt auf der linken Seite dem Lake Pukaki entlang und das türkisblaue Wasser leuchtet in der Umgebung der gelben Felder und Hügel noch viel intensiver. Yvo meint sogar, es sei noch mehr türkis als auf den Malediven. Das Wetter bleibt lange wunderbar, zumindest solange wir links oder rechts aus dem Autofenster schauen, beim Blick nach vorne schaut es etwas weniger vielversprechend aus und wir sind da eher so bei „50 shades of grey“… In Mt Cook angekommen regnet es dann auch ab und zu ziemlich heftig, mitunter von stürmischen Windböen begleitet. Wir nutzen die Zeit, uns das Museum anzuschauen, das einen interessanten Einblick in die Geschichte des Bergsteigens und insbesondere in die Gegend um den Mt Cook bietet. Sir Edmund Hillary hat den Mt Cook übrigens als Übungsberg für seine Erstbesteigung des Mt Everest genutzt, deshalb sind auch die ganzen Visitor Centers in der Region nach ihm (Hillary) benannt. Und ja, in genau diesem Visitor Center erfahren wir dann auch, dass der Hooker Valley Track, den wir später noch bewandern wollen, wegen zu viel Regen bis mindestens morgen früh gesperrt ist. Hätten wir eine Sammelkarte für gesperrte Wanderwege und abgesagte Aktivitäten, wir wären beim Punkte sammeln sicher auch in den Top 3 😉 Aber was soll’s, wir sind ja mittlerweile tiefenentspannt und da es immer noch regnet, gönnen wir uns zuerst sowieso mal einen Kaffee und lassen uns auch von dem ebenfalls extrem gemütlichen (man könnte auch sagen langsamen, geschwätzigen, aber auch sehr sympathischen) Bergler, der die Kasse bedient und es auch bei etwa fünf Wartenden schafft, einen längeren Stau zu verursachen, nicht aus der Ruhe bringen. Was soll’s, wir müssen sowieso warten, bis es zumindest ein bisschen trockener wird… Was dann passiert, hätten wir uns ja denken können… Der Regen hört auf und wie ein Tatzelwurm fahren die ganzen Touristen aus aller Welt zum Parkplatz, wo der Wanderweg beginnt. Der erste Kilometer des Tracks ist noch offen, das heisst, alle Wanderlustigen, die sich sonst während des ganzen Tages auf dem gesamten Track verteilen, sind nun in den gleichen 15 Minuten auf diesem Kilometer unterwegs. Vom Stechschritt zum Humpelgang findest du alles, es wird geschupst und überholt und wir mittendrin. Und gleichzeitig bläst uns der extrem stürmische Wind fast aus den Wanderschuhen. Was vielleicht wieder den Stechschritt der einen erklären mag – möglichst schnell den Aussichtspunkt abhaken und zurück zum Auto… „Das Wandern ist des Müller‘s Lust“ geht definitiv anders. Dennoch kämpfen wir uns bis zum Aussichtspunkt beim „Mueller Lake“ durch (wenn wir schon beim Namen sind), aber es ist uns echt zu überlaufen und wir sind froh, als wir zurück beim Parkplatz sind, wo wir erst unser Auto suchen müssen, und wir überlegen uns ernsthaft, ob wir uns den Abstecher zum Tasman Glacier Viewpoint auch noch „antun“ sollen. Aber nach Yvo’s letztem Blogbeitrag könnt ihr es euch ja denken 😉 Wenn wir schon mal da sind… Erstaunlicherweise hat es dort bei weitem nicht so viele Autos, also auch weniger Leute. Wir gehen erst zu den Blue Lakes – obwohl es sich uns nicht erschliesst, wie die zu ihrem Namen kommen – und erklimmen dann voll motiviert auch noch die ganzen Stufen bis zum Aussichtspunkt auf den Gletscher. Da uns diese Aussicht bei den Gletschern auf der anderen Seite der Bergkette ja mässig beeindruckt hat, ist die Erwartung nicht allzu hoch. Aber siehe da, eine echt schöne Aussicht über den Gletschersee, in dem sich auch noch ein paar abgebrochene Eisschollen tummeln, auf den doch noch recht eindrücklichen Gletscher – die vergossenen Schweissperlen haben sich also definitiv gelohnt und wir erfreuen uns an der herrlichen Aussicht! Gleichzeitig staunen wir ab der Influencer-Generation (wir nennen wie jetzt einfach mal so), die sogar das Stativ – und nicht ein kleines – ein richtig grosses – für die Kamera auf den Berg mitschleppt, um das perfekte Selfie mit Selbstauslöser und von hinten und so hinzukriegen… Die Bilder sind bei dem Hintergrund aber sicher toll geworden, das müssen wir dann neidlos zugeben. Muss ich mir für die nächsten Ferien merken: Stativ in Yvo’s Rucksack packen! 😜 Könnten wir ja beim Wandern in der Schweiz schon mal üben – so als Training… Das Wetter ist inzwischen wunderbar und der Mt Cook zeigt sich – ganz wider Erwarten – in seiner ganzen Pracht. Wow, ist das schön! Und so legen wir auch auf der Rückfahrt den ein oder anderen Stopp ein, da insbesondere Yvo ja nicht während der ganzen Fahrt in den Rückspiegel schauen kann, wo sich die Bergwelt grad von ihrer schönsten Seite zeigt.

  • Eigentlich schaut das Wetter noch ziemlich freundlich aus…
  • …verschlechtert sich aber langsam…
  • …und wird dann richtig grau.
  • Wanderweg gesperrt - einmal mehr.
  • Beim Ausblick auf den Mueller Lake…
  • …sind wir nicht allein
  • Die Blue (?) Lakes sind dann ganz hübsch
  • Die Aussicht über den Gletschersee ist fantastisch…
  • …und der Mt Cook zeigt sich in seiner ganzen Pracht
  • Gletscherwasser fliesst in den Lake Pukaki

Wir schliessen den herrlichen Tag mit einem feinen Abendessen beim Inder in Twizel ab und am nächsten Tag steht uns mit ca. 320 km die letzte längere Autoetappe bevor. Nicht ohne uns nach dem Auschecken aus unserer Villa nochmals beim Frühstück von Mel verwöhnen und uns zum Abschied von ihr knuddeln zu lassen. Es gibt so Hosts, die das einfach in ihren Genen haben und mit Leib und Seele ihre Gäste verwöhnen – Mel gehört definitiv auch zu denen! Ist wohl auch kein Zufall, dass die in der Regel auch alle sehr plauderfreudig sind 😂

Um uns die Autofahrt etwas aufzuteilen, übernehme ich nochmals die erste Etappe der heutigen Strecke. Und ich bin ganz froh, habe ich mich für die erste Etappe entschieden – mehr dazu später… Erst mal geniessen wir nochmals den herrlichen Blick auf den Mt Cook und erreichen schon bald den Lake Tekapo, ein richtig schöner Bergsee, der uns einfach an Kanada erinnert. Natürlich machen wir da auch noch einen Stopp und bewundern die Aussicht aus dem Kirchenfenster der „Church of the Good Shepherd“. Definitiv haben wir noch nie eine Kirche an solch toller Lage mit einmaligem Blick aus dem grossen Kirchenfenster direkt auf den See gesehen. Wenn die sich nur nicht zu fest vom Beten ablenken lassen… Allein für diesen Blick lohnt sich der Besuch der Kirche, auch wenn hier das Fotografieren mal wieder nicht erlaubt ist… Und weil da so ein alter freundlicher Herr beim Eingang sitzt, getraut sich auch niemand, sich diesem Verbot zu widersetzen… Und dann folgt eine sehr lange Fahrt bis Christchurch. Am Anfang ist die Landschaft mit den gelben und trockenen Hügeln und Landschaften noch sehr faszinierend, irgendwann wird es aber eher langweilig und spätestens auf dem Highway 1 dann richtig öde. Immerhin haben wir bei einer kurzen Kaffeepause in Geraldine noch ein nettes Gespräch mit einem neuseeländischen Ehepaar, bevor wir unsere Fahrt fortsetzen und ich wieder meinen angestammten Platz auf dem Beifahrersitz einnehme und das pilotieren meinem Super Driver überlasse.

Für den heutigen Abend haben wir eine Übernachtung in einem PurePod gebucht. Das ist eigentlich ein Glashaus „in the middle of nowhere“. Wir wussten auch erst mit Erhalt der Reiseunterlagen, wo sich diese Unterkunft genau befindet und haben dazu eine genaue Wegbeschreibung erhalten. Erstmal führt uns die unglaublich kurvige Strasse ab Christchurch auf die Banks Pensinsula, wo sie immer schmaler wird und sich in engen Kurven über die Hügel windet. Und spätestens da bin ich froh, dass Yvo fährt, und ich nicht am letzten Tag noch meinen Ruf als einigermassen gute Autofahrerin riskiere und doch noch irgendwo eine Ecke des Autos liegen lasse… Yvo macht das natürlich souverän, auch wenn die Strasse aufgrund ihrer Holprigkeit und Kurven definitiv nichts für schwache Mägen ist – haben wir zum Glück nicht und staunen ab denen, die diesen Weg sogar mit Schiffen und Jet-Skis (auf Anhängern natürlich) bewältigen – viel Glück! Wir finden auch das beschriebene „Farm Gate“ und der Code des Vorhängeschlosses zum Parkplatz lässt sich problemlos öffnen – wir sind also am richtigen Ort. Von da geht es nun – nur mit dem Nötigsten bepackt – über Schafweiden zu unserer Unterkunft. Der Weg ist ziemlich versch***en und wir laufen deshalb im Slalom, um nicht grad in die grössten Haufen zu treten. Die vielen Disteln machen es nicht einfacher, aber immerhin ist der Weg gut beschildert, sonst hätten wir uns vermutlich hoffnungslos im hohen Gras verirrt. Und dann erreichen wir unseren PurePod und sind überwältigt. Zum einen ist die Aussicht genial, zum anderen ist der PurePod mit allem ausgestattet was man sich wünscht. Eigentlich ist es ein Glashaus (sogar der Boden ist aus Glas), gibt einem das Gefühl von Camping am abgelegensten aber wahnsinnig schönen Flecken Erde, irgendwo auf dem Land einer Schaffarm, ist aber mit Dusche, WC und unglaublich bequemem Bett vom feinsten ausgestattet. Im Kühlschrank wartet denn auch schon ein kaltes Plättli, die Zutaten für einen feinen BBQ-Znacht und auch ein leckeres Frühstück. Nur den Wein mussten wir selbst mitbringen – was wir natürlich auch gemacht haben. Eigentlich wurde uns auch ein Ort ohne jeglichen Handyempfang angekündigt, aber die Entwicklung macht auch hier keinen Halt und wir haben wider Erwarten ganze drei Striche beim Empfang. Irgendwie bin ich fast ein bisschen enttäuscht darüber und stelle deshalb mein Handy einfach mal auf Flugmodus – adieu Welt! Und dann geniessen wir es einfach. Die herrliche Aussicht, das BBQ-Abendessen draussen, die fantastische Abendstimmung, den total erholsamen Schlaf und das geweckt werden durch einen wunderbaren Sonnenaufgang um 06:15 Uhr. Einzig die Insekten machen einen solchen Lärm, man wähnt sich fast an einem Formel-1-Rennen, und hin und wieder mäht irgendwo ein Schaf. Und sonst ist es einfach totenstill. Herrlich! Nach dem Sonnenaufgang ziehen dann auch erst Mal ein paar Regenwolken auf, aber wir haben keine Eile und geniessen noch unseren PurePod und ein ausgiebiges Frühstück mit Burrito vom Grill, Müesli und selbstgebackenem Brot. Ist wohl auch das erste Mal, dass Grillmeister Yvo einen Zmorge grilliert… Kann er auch 👌 Nachdem sich die Wolken ausgeweint haben, wandern wir bei sonnigem Wetter wieder zurück zum Parkplatz. Und Yvo der schlaue Fuchs (alternativ: faule Fuchs? 😉) findet dabei sogar noch die Abkürzung, die uns auf direktem Weg und ohne Disteln, dafür etwas steiler zurück zum Auto führt.

Und nun steht die allerletzte Etappe mit unserem Autöli an. Yvo meistert auch diese souverän und so können wir das Auto ohne weitere Schäden, nur mit den zwei Dellen, die wir als Andenken aus Dunedin mitgenommen haben, in Christchurch zurückgeben. Und auch dieser kleine Schaden verursacht bei dem netten Herrn der Autovermietung höchstens ein Schulterzucken und das Schadensformular ist denn auch in drei Minuten ausgefüllt. So sind sie die Neuseeländer – lassen sich nicht aus der Ruhe bringen. Knappe 5300 km haben wir mit unserem Mazda unfallfrei zurückgelegt und er war uns ein wertvoller Reisebegleiter. Es fühlt sich grad ein bisschen komisch an, so ohne fahrbaren Untersatz. Wir beziehen also erst mal unser B&B im Zentrum von Christchurch und gehen zu Fuss die Stadt erkunden. Aber dazu gibt‘s dann einen separaten Eintrag, sonst hört das hier gar nie mehr auf… Stay tuned!

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