Im „wilden Westen“

8. – 10. Januar: Wir verlassen Collingwood und damit den obersten Zipfel der Südinsel und starten die relativ lange Fahrt Richtung Südwesten, nicht ohne uns vorher mit einem Kaffee gestärkt zu haben (inhouse, nicht to-go, Yvo hat euch ja erklärt warum 😉). Wir sind gerade mal gut 20 Minuten gefahren, wartet auch bereits der erste etwa halbstündige Spaziergang auf uns, und das noch vor dem Frühstück. Für einmal hat Yvo auf diesen Abstecher bestanden, da uns der Besuch von „Te Waikoropupu“ Springs, auch als Pupu Springs bekannt (was wir uns definitiv besser merken können), von mehreren Hosts wirklich wärmstens empfohlen wurde. Und wie sich dieser Abstecher lohnt! Wir sind überwältigt von der Schönheit dieses Ortes. Pupu Springs sind die grössten Frischwasserquellen Neuseelands und enthalten etwas vom klarsten Wasser, das je gemessen wurde. Aus diesem Grund und da die Quellen für die Maori ein kulturell sehr wichtiger und höchst spiritueller Ort sind, ist es strengstens verboten, in irgend einer Form mit dem Wasser in Berührung zu kommen. Geflasht von diesem fantastischen Platz fahren wir weiter nach Takaka, wo wir uns erst mal ein feines Frühstück gönnen. Den Ort kennen wir bereits von der Hinfahrt, ist so ein richtiger Hippie- und Künstlerort, hat aber auch coole Kaffees und kleine Läden und war uns bereits auf dem Hinweg einfach sympathisch.

Fast 400 km auf kurvigen Strassen heisst, dass auch ich mal wieder das Steuer übernehme und es macht mir so richtig Spass, auf Neuseelands Strassen – im wahrsten Sinne – „rumzukurven“. So erreichen wir dann die Westküste und die ist einfach richtig cool und wild – we like it! Kurz vor unserem Tagesziel erreichen wir Punakaiki und damit die Pancake Rocks. Diese sehen (mit etwas Fantasie) aus wie aufeinander geschichtete Pfannkuchen, daher der Name. Wie bei eigentlich allen touristischen Sehenswürdigkeiten führt auch hier ein sehr gepflegter Weg durch und man hat überhaupt nicht das Gefühl, an einem der touristischsten Orte der Westküste zu sein. Die Felsen sind wirklich eindrücklich. Das Timing ist leider nicht ganz aufgegangen, um bei Flut da zu sein, denn dann hätte es noch richtige Blowholes gegeben, das Wasser hat aber auch so ziemlich an die Felsen gepeitscht und die Gezeiten nehmen leider recht wenig Rücksicht auf unsere Marschtabelle 🤷‍♀️

In Greymouth logieren wir mal wieder in einem wunderbaren B&B direkt oberhalb eines kleinen aber wilden Strandes, können am späteren Nachmittag noch ein paar Surfer beobachten und werden vom Rauschen der Wellen, die so richtig an die Felsen peitschen, in den Schlaf begleitet.

Auch am nächsten Tag wollen wieder 200 km gefahren sein, wir machen aber immer mal wieder kurze Stopps an der rauhen Küste, vertreten uns die Beine, damit uns die Gelenke nicht einrosten (die ersten Schritte nach dem Aussteigen aus dem Auto sind jeweils etwas steif) und geniessen einfach die wilde Schönheit des Meeres:

Am späteren Nachmittag erreichen wir den Franz Josef Gletscher. Ganz ehrlich, wer kommt auf die Idee, einen Gletscher in Neuseeland auf diesen Namen zu taufen? Wir werden es nie verstehen, können uns den Namen im Gegensatz zum Māori-Namen „Ka Roimata o Hine Hukatere“ aber wenigstens merken 😉. Wir nehmen den kurzen Wanderweg zur Aussichtsplattform unter die Füsse und ganz ehrlich, als Schweizer ist man von dem Gletscher so mässig beeindruckt. Auch hier werden die Gletscher leider nicht von der Klimaerwärmung verschont und sind in den letzten Jahren massiv zurückgegangen. Wir fahren noch etwas 20 km weiter südlich, zum zweiten bis fast zum Meer reichenden Gletscher, dem Fox Glacier. Diesen finden wir fast etwas schöner und eindrücklicher als seinen Kollegen Franz-Josef. In dieser Gegend der Südinsel befinden sich auch die beiden höchsten Berge Neuseelands, der Mt Cook (3724m) und der Mt Tasman (3497m). Diese verstecken sich aber mal wieder hartnäckig hinter den Wolken – das kennen wir ja bereits und nehmen es inzwischen auch nicht mehr persönlich – und aufgrund der Bewölkung haben wir wenig Hoffnung, die Berge heute noch zu sehen. Aber siehe da, als wir bereits gemütlich in der Unterkunft chillen und von unserer Gastmutter, die sich schon das eine oder andere Glas Wein gegönnt hat, ohne Punkt und Komma zugeschwafelt werden (ich verstehe in etwa die Hälfte, von dem was sie sagt), lichten sich doch plötzlich die Wolken und wir haben den Luxus, dass wir beide Berge direkt von unserem B&B aus sehen können. Also schnell ab nach draussen, um den Anblick der majestätischen Berge zu geniessen und natürlich für euch ein paar Fotos zu machen. Da uns dabei fast die Sandfliegen fressen, geniessen wir den herrlichen Blick begleitet von irgendwelchen Schuhplattler-ähnlichen Bewegungen, um die lästigen Viecher zu vertreiben, bevor wir von einer netten deutschen Kollegin zum Glück etwas Insektenspray erhalten. Die Bergspitzen werden auch noch von der untergehenden Sonne angeleuchtet, wir sind wirklich Glückspilze.

Am Mittwoch verlassen wir dann die Westküste, um über den Haast Pass ins Landesinnere zu fahren, wo wir uns die Berge hoffentlich auch von der anderen Seite nochmals anschauen können, dies aber erst zu einem späteren Zeitpunkt auf unserer Reise. Erst mal verändert sich die Landschaft drastisch, es wirkt alles viel trockener und die Golfplätze, an denen wir vorbeifahren, verdienen hier definitiv nicht den Namen „Green“ sondern doch eher „Yellow“, und wir kommen in die Region der zwei grossen Seen Lake Wanaka und Lake Hawea, welche wir dann in den nächsten paar Tagen erkunden werden. Mehr dazu erfahrt ihr später…

Und während ich so schreibe, geht draussen ein Alarm los – und in Neuseeland hat man da ja schon gleich irgendwie Kopfkino… Erdbeben, Tsunami? Grössere aktive Vulkane sind – glaube ich – grad nicht in der Nähe, aber trotzdem – ein bisschen nervös werde ich schon und wir schauen mal, ob sich draussen irgendetwas tut. Scheint aber alles ruhig zu bleiben und Yvo googelt erst mal. Steht tatsächlich, dass man beim Hören des Alarmes nicht nervös werden muss, ist das Zeichen für die örtliche Feuerwehr, dass sie ausrücken müssen. Kurze Zeit später hören wir auch schon die Sirenen der Feuerwehrautos und ich kann in Ruhe meinen Beitrag zu Ende schreiben 😅.