Das vielleicht schönste Ende der Welt

5. – 7. Januar: Jetzt sind wir schon (oder erst) seit zweieinhalb Tagen auf der Südinsel und es gibt schon wieder sooo viel zu erzählen… Nach der pünktlichen Ankunft unserer Fähre in Picton entscheiden wir uns für die Fahrt auf dem Queen Charlotte Drive bis Havelock. Die Strecke bietet zahlreiche fantastische Ausblicke auf die Marlborough Sounds, die Fjorde im Norden der Südinsel, ist aber auch eng und kurvenreich und das Vorankommen deshalb – und auch wegen der vielen schönen Aussichtspunkte – nicht besonders zeiteffizient. Der Reiseführer meint sogar, man benötige gerne mal einen halben Tag, um die Schönheit der 35 km langen Strecke wirklich zu geniessen. So viel Zeit haben wir nun doch nicht übrig, da wir schliesslich noch eine ganz schöne Strecke vor uns haben, trotzdem ist jeder Stopp, den wir machen, absolut lohnenswert. In Havelock, der selbsternannten Hauptstadt der Grünlippenmuscheln, haben wir Hunger, genehmigen uns aber statt der Meerestiere einen Hamburger aus einem hippen Streetfood-Wagen am Strassenrand. Und wir sind uns einig, selten haben wir einen so leckeren Burger gegessen – was für ein Genuss. Am späteren Nachmittag checken wir kurz vor dem Abel Tasman Nationalpark in unsere Lodge ein. Wir hatten wirklich schon viele schöne Unterkünfte, aber diese toppt mit ihrer Lage nun einfach alles. Zwar mitten im Nirgendwo gelegen, aber die Aussicht aus dem Bett gibt den Blick auf einen kleinen Teich frei, in welchem zahlreiche Enten plantschen, auf der angrenzenden Wiese tummeln sich zahlreiche Vögel und eine Horde Kaninchen hoppelt hin und her und querfeldein und bietet beste Unterhaltung. Auf der anderen Seite der Lodge schauen wir aufs Meer – was will man me(e)hr? Dafür hat in diesem Nest der Dorfladen bereits geschlossen – das ist hier allgemein auch in den Restaurants so, wenn sie das Gefühl haben, das Geschäft für den Tag sei beendet und da kommt eh keiner mehr, wird geschlossen, die Öffnungszeiten werden da nicht so strikt eingehalten. Wir finden aber noch einen Früchte- und Gemüseladen, deren Angestellter zwar etwas kurrlig rüberkommt, aber irgendwie haben wir das Gefühl, dass wir mit dem Einkauf auch noch etwas Nachbarschaftshilfe leisten. Damit wir die Zeit in unserer Lodge so richtig auskosten können, geniessen wir ein Picknick in unserem temporären Traumhaus, statt nochmals rauszugehen.

Am Tag darauf ist wandern angesagt. Die Strecke soll mehrheitlich flach und deshalb trotz der angegebenen 3-4 Stunden Wanderzeit eigentlich auch mit Yvo‘s Bronchitis machbar sein. Ein Boot bringt uns der spektakulären Küste des Abel Tasman Nationalparks entlang Richtung Norden, wir erspähen sogar ein paar Seehunde, und in einer der kleinen Buchten starten wir dann die Wanderung auf dem Abel Tasman Coast Track Richtung Süden. Und natürlich geht‘s erstmal bergauf… Durch wilde Wälder, die immer mal wieder den Blick auf die Küstenlinie freigeben, erreichen wir nach zwei Stunden unseren Picknickplatz am Meer – herrlich! Das Pech ist nur, dass wir bei Ebbe jetzt einen ziemlich kurzen Weg hätten, um die Bucht zu erreichen, wo uns unser Boot wieder abholt. Ja hätten… Es ist nämlich Flut… Die Option, ein Kajak zu entern und damit rüber zu fahren, verwerfen wir wieder. Bleibt nur noch die Option, die ganzen Meeresarme zu umgehen und haben mindestens eine Stunde Zusatzweg, munter rauf und runter… Also munter ist Yvo inzwischen nicht mehr, seine Lungenkapazität ist dann doch ziemlich eingeschränkt und so kraxeln wir ganz langsam die Wege hoch, ich glaube, wenn wir noch langsamer gegangen wären, wären wir zur Seite gekippt. Interessant ist, dass wir das Ziel dennoch nach dreienhalb Stunden, und somit immer noch absolut innerhalb der angegeben Zeit erreichen. Um 4 Stunden zu benötigen, müsste man den Weg dann wohl auf allen vieren zurücklegen 😉 Fazit ist, der Track ist wunderschön, bei sonnigem Wetter wären die Farben sicher noch umwerfender gewesen, temperaturmässig kam uns der bedeckte Himmel aber entgegen und während der einstündigen Wartezeit, bis uns das Boot wieder abholt, öffnen sich mal wieder die Wolken, aber die Regenjacke gehört ja inzwischen zum Marschbefehl. Wir sind definitiv in Neuseeland angekommen und immer auf alles gefasst 😊 Und Yvo kriegt jetzt definitiv eine Ruhepause, um sich endlich mal auszukurieren.

Am nächsten Morgen nehmen wir es gemütlich und beglücken zumindest einige Teile unserer Familie mit unerwarteten Videoanrufen. Die freuen sich richtig, uns wieder mal zu sehen und zu hören 😉 Und wir freuen uns natürlich auch 😍 Die Weiterfahrt zur Golden Bay ist mit 100 km nicht allzu lang, aber wie immer sehr kurvenreich und eng, auch wenn wir uns mehrheitlich auf irgendwelchen State Highways bewegen. Yvo’s (und ehrlich gesagt auch meinen) Nerven zuliebe lasse ich ihn fahren, da er inzwischen die Autobreite „von der falschen Seite“ vermutlich etwas besser im Griff hat und ich seine Nerven nicht in jeder Kurve unnötig strapazieren will. Ich habe mich ja inzwischen einigermassen an den Nervenkitzel auf dem Beifahrersitz gewöhnt und die vordere linke Autoecke ist zum Glück nach wie vor dort, wo sie hingehört. Unser Ziel, die Golden Bay, besucht anscheinend wirklich nur ein kleiner Teil der Touristen, es ist auch ein Abstecher, den man danach wieder auf der gleichen Strecke zurückfahren muss, aber was für eine fantastische Ecke wir da gefunden haben… Auf Empfehlung besuchen wir am späteren Nachmittag den Wharariki Beach, der nicht mal in allen Reiseführern aufgeführt ist. Was für eine Schande, wenn wir den verpasst hätten. Der Sand ist zwar dunkler, aber noch feiner als auf den Malediven und die Landschaft ist einfach einzigartig. Zum Baden müsste man aber schon von der abgehärteten Sorte sein, was wir definitiv nicht sind. Bezüglich Einzigartigkeit lasse ich einfach die Bilder sprechen. Was vielleicht noch zu sagen ist – Yvo musste auch an seinem versprochenen „Ruhetag“ wieder 12‘000 Schritte machen, was aber angesichts der fantastischen Location zur Nebensache verkam…

Für Sonntag hatten wir schon von zuhause eine Tour über die Landzunge am äussersten Zipfel – den Farewell Split – gebucht. Mit einem 4×4 Truck fahren wir in einer kleinen Reisegruppe und mit einer sehr unterhaltsamen gebürtigen Schwedin als Guide und Fahrerin mehrheitlich über den Beach die ca. 30 km bis zum Leuchtturm. Unterwegs sehen wir viele Vögel, sorry aber Vogelnamen auf englisch, die können wir uns noch immer nicht merken, aber sie waren schön und die Möwen (ja die kenne ich) riesig. Spannender fanden wir aber die Robben, die sich am Strand in der Sonne fläzten oder Yoga machten. Beim Besteigen einer der Dünen können wir erst sehen, wie unendlich weit sich das Meer bei Ebbe auf beiden Seiten zurückzieht, allerdings muss man dann auch aufpassen, rechtzeitig zurück zu fahren, weil sonst die ganze Angelegenheit im Meer endet und kein gutes Ende nimmt. Unser Tour-Anbieter hat erst einmal einen Truck im Sand eingegraben und nicht mehr vor dem Aufkommen der Flut befreien können. Bis zur nächsten Ebbe war das Fahrzeug in sieben Teile zerlegt… Wir sind aber rechtzeitig auf dem Rückweg und besuchen als Abschluss unserer Tour noch das Cape Farewell, den Punkt, wo James Cook damals Neuseeland verlassen hat – deshalb auch der Name. Für uns ist zum Glück noch lange kein Farewell in Sicht, schliesslich sind wir inzwischen so richtig im Ferien-Flow angekommen und haben noch gar kein Heimweh.

Morgen (also inzwischen für uns schon heute, weil das gestern mit dem Fotos hochladen mal wieder nicht geklappt hat – die Verbindung ist am neuseeländischen Morgen jeweils besser als abends) haben wir eine Mammutstrecke vor uns, die uns ein ganzes Stück die Westküste runter führt… Und Yvo steckt schon in den Startlöchern, um euch wieder mal mit einem Bericht aus seiner Perspektive zu unterhalten. Ihr dürft schon mal gespannt sein…