Natur pur

14. – 16. Januar: Nach einer stürmischen Nacht und im strömenden Regen fahren wir von Glernorchy weiter in den Süden nach Manapouri. Eigentlich ist das Timing perfekt, das Regenfenster genau da, wo wir sowieso im Auto sitzen. Und eine Dusche bekommt unserem staubigen Reisebegleiter mit vier Rädern auch mal ganz gut. Wir haben bereits am Morgen das Nötigste in unsere Tagesrucksäcke gepackt, da wir die nächsten 24 Stunden auf dem Schiff verbringen werden, wo wir nur ein Handgepäck pro Person mitnehmen können, aber unser Gepäck haben wir ja sowieso für die ganze Reise ziemlich rationiert, deshalb macht das keinen grossen Unterschied mehr 😉 Frische Unterwäsche und genügend warme und wasserdichte Schichten, das reicht dann auch schon. Die meisten Reisenden besuchen im Fjordland Nationalpark, übrigens dem grössten Nationalpark Neuseelands, den Milford Sound. Da dieser aber extrem touristisch und mittlerweile ziemlich überlaufen ist, haben wir uns bereits bei der Buchung für den grösseren aber ruhigeren Doubtful Sound entschieden. Dieser wird auch als „The Sound of Silence“ oder Meeresarm der Stille bezeichnet. Es hat allerdings auch einen Grund, warum es dort weniger Touristen gibt… Für die Anreise muss man erst mal mit dem Boot während einer fast einstündigen Überfahrt den Lake Manapouri überqueren, um an der Anlegestelle des Bootes dann in zwei Busse verfrachtet zu werden, mit welchen dann der 700m hohe Wilmot Pass bewältigt wird. Früher war der Doubtful Sound nur zu Fuss erreichbar, und das auch nur über einen ziemlich anspruchsvollen Track. Da in den 60er Jahren aber schwere Maschinen zum Bau des Manapouri Kraftwerks zur Baustelle transportiert werden mussten, baute man die teuerste Strasse Neuseelands, die noch heute komplett vom übrigen Strassennetz abgeschnitten und nur auf einer Seite vom See und auf der anderen Seite vom Meer her zugänglich ist. Gut für uns, die Busse, resp. eine wahnsinnig lustige japanische Fahrerin bringen uns sicher über den Pass. Unterwegs gibt es ein paar Fotostopps, als jedoch weder beim ersten noch beim zweiten Stopp jemand aussteigen möchte – zum einen weil es in Strömen regnet, zum anderen weil es aufgrund des Grauschleiers auch einfach gar nichts auf dem Foto hätte – lacht sich unsere Fahrerin halb kaputt. So gar nicht zurückhaltend asiatisch, aber wir amüsieren uns köstlich ab ihr. Auch ihre Sicherheitsanweisungen „you better buckle up in case I miss the right gear“ (ihr schnallt euch besser an, falls ich mich im Gang vertue) und weitere solche Sprüche machen die Fahrt ziemlich kurzweilig. Und dann beziehen wir unsere Koje, die grosszügiger ist als erwartet und wir haben sogar eine eigene Dusche und WC, aber das wisst ihr ja bereits aus Yvo‘s Beitrag 😉 Das Wetter bleibt relativ nass und windig, was aber auch sehr mystische Stimmungen mit sich bringt und den Vorteil hat, dass wir unglaublich viele Wasserfälle zu sehen kriegen und ja, wir befinden uns jetzt tatsächlich in dem Teil Neuseelands, wo es am meisten regnet (doppelt so viel wie im Amazonas-Gebiet, sagen sie, haben wir nicht nachgeprüft). Kein Wunder, gibt es hier einen richtig schönen Regenwald. Es ist unglaublich und richtig wild, was da alles wächst. Faszinierend ist ja, dass die Wolken sich dann doch auch immer wieder mal lichten, wir verbringen die meiste Zeit draussen, wenn es nicht grad wie aus Kübeln schüttet und sehen auch ein paar Seehunde. Auf die Delfine und Pinguine warten wir leider weiterhin vergebens. Es gibt leider auch nicht mehr so viele von den Delfinen, und diese sind wohl einfach nicht grad in der Laune, bei unserem Schiff ihre Kunststücke aufzuführen. Wir fahren die ca. 30km bis zur Tasman See, was aufgrund der relativ ruhigen See heute möglich ist, bevor es wieder in die noch ruhigeren Gewässer des Doubtful Sound zurückgeht, damit wir nicht allzu wild in den Schlaf gewiegt werden. Wir kriegen ein feines Buffet-Nachtessen gefolgt von einer spannenden Präsentation über die Landschaft und Tierwelt des Doubtful Sound und danach schlafen wir eigentlich erstaunlich gut, das Wasser ist ruhig, und vielleicht hat auch der Rotwein noch etwas geholfen. Der nächste Morgen ist zunächst noch regnerisch und dann wechselt das Wetter – ohne Witz – etwa im 10-Minuten-Rhythmus. Wir sind fast die ganze Zeit draussen und geniessen die fantastischen Stimmungen und können uns fast nicht satt sehen. In der Nacht hat es – eher unüblich für den Hochsommer – bis auf 900m runter geschneit und so sind die höchsten Bergspitzen mit einem leichten Puder überzogen, was das Ganze noch spektakulärer macht, aber definitiv nicht wärmer… Irgendwo zuhinterst im Meeresarm kommen wir dann auch noch richtig in den Genuss des „Sound of Silence“. Alle Motoren des Schiffes und alle Geräusche werden für eine Weile ausgeschaltet und wir werden gebeten, während der Zeit auch nicht rumzulaufen und Fotos zu machen und diese Stimmung ist unbeschreiblich und einfach wahnsinnig schön. Um 10 Uhr erreichen wir dann wieder unseren Hafen und festen Boden unter den Füssen, werden zurück in die Busse verfrachtet und auf gleichem Weg mit Bus und Boot wieder zu unseren Autos zurück gebracht. Was am gestrigen Nachmittag noch ganz OK war, wurde heute Morgen zum Wahnsinns-Erlebnis und es ist schwierig, das zu beschreiben, aber vielleicht könnt ihr euch ein bisschen vorstellen, was ich meine, wenn ihr einfach die Bilder anschaut (Achtung es sind viele, und ich hätte noch viel mehr gehabt…):

Zurück an Land haben wir nur eine sehr kurze Autofahrt bis nach Te Anau zu absolvieren, wo wir nach dem Mittag bereits unsere Lodge beziehen, in welcher wir auch den Grossteil des Nachmittags verbringen. Yvo beschäftigt sich damit, Geschichten über Dalmatiner zu schreiben und ich sitze hinter der Fensterscheibe an der Sonne und lasse meine Gliedmassen wieder aufwärmen. Am späteren Nachmittag wartet nämlich bereits das nächste Highlight auf uns. Wir fahren zu den Glühwürmchen-Höhlen – ein absoluter Traum von mir, ich hoffe nur, dass ich mir davon nicht zu viel verspreche. Also wieder ab aufs Boot, diesmal auf dem Lake Te Anau, und Überfahrt zum Höhleneingang. Zu Fuss geht es die ersten Meter in die Höhle hinein und allein die Felsformationen, rauschende Bäche und Wasserfälle sind schon richtig sehenswert und spektakulär. Die Höhle ist noch relativ jung, deshalb ist der grösste Stalaktit – haltet euch fest – ganze 4 cm lang 😂 Aber wir sind ja nicht wegen Stalaktiten und Stalagmiten hier sondern wegen den Glühwürmchen. Und diese sehen wir bereits, sobald wir in der Höhle sind. Diese leuchten zwar noch schwach für unsere lichtgewöhnten Augen, aber so können wir auch die Fäden sehen, die ausschauen wie Perlenketten, an denen Regentropfen aufgereiht sind. Dienen aber nicht der Dekoration, sondern dazu, Insekten zu fangen, schliesslich haben die Würmer auch ab und zu mal Hunger und essen dann von den Motten – weil die Flügel zu zäh sind – direkt einfach die Augen, und das bei lebendigen Leibe… Ups, das wäre wohl dann eher eine Geschichte für Yvo‘s Blogbeitrag gewesen, ist mir aber grad in den Sinn gekommen – autsch… Etwas weiter drin in der Höhle werden wir in 12er Gruppen wieder aufs Boot verfrachtet, welches uns dann in die absolute Dunkelheit der Höhle bringt. Die Augen gewöhnen sich ziemlich schnell dran und die Glühwürmchen werden immer mehr. Wie ein fantastischer Sternenhimmel leuchtet es über uns, es wird immer stiller, je weiter wir uns vom Rauschen der Wasserfälle entfernen und immer schöner mit den vielen kleinen Lichtern. Die Alten leuchten übrigens am meisten. Irgendwie ist das ganz surreal aber wunderschön, dass wir das sehen dürfen. Und das schönste – was eigentlich überall in Neuseeland gilt – wir kriegen einfach das zu sehen, was die Natur zu bieten hat – ohne Disney-Inszenierungen und grossem Tamtam – einfach natürlich und wunderschön. In der Höhle darf man übrigens nicht fotografieren, und das ist gut so, weil man die fantastische Stimmung einfach mit allen Sinnen geniesst. Pech für euch, als Ersatz gibt‘s trotzdem ein (zwei) Bild(er):

So, ich muss mich ein bisschen beeilen. Wir sind jetzt in Dunedin angekommen und irgendwie ein bisschen überfordert mit dem Stadtleben. Viel Verkehr (nicht so viel wie in der Brunau…), Parkplatz nicht direkt vor dem Haus sondern auf der anderen Strassenseite (einfach dass ihr euch vorstellen könnt, wie unsere Perspektive grad ist) und das Hotel ist uns fast etwas „zu nobel“. Wir haben seit einer Woche kein B&B mehr gehabt und wir vermissen es schon fast „es bitzli“. Die Stadt schauen wir uns deshalb morgen in neuer Frische an, beschränken uns auf Znacht essen und Wäsche waschen und eigentlich ist jetzt schon Schlafenszeit, wir sind etwas spät vom Wäsche waschen zurück gekommen – war dringend notwendig, da wir beide bereits auf dem letzten Zack der Reserve-Unterhosen angekommen sind – inzwischen sind wir aber wieder mit sauberer und sogar richtig gut riechender Wäsche ausgestattet. Aber jetzt trotzdem noch kurz von vorne. Heute haben wir den Süden der Südinsel einfach einmal von West nach Ost durchfahren. Total faszinierende Landschaften am Anfang, viel Landwirtschaftsland, erst hügelig, dann immer flacher, viele Kühe, Wild und VIELE VIELE Schafe. Ja, da sind sie endlich, die Tausenden weissen Punkte in der Landschaft. Wenn sie übrigens schon von weitem sehr weiss leuchten, sind sie frisch geschoren – wir staunen selbst was wir hier alles rausfinden, ist aber so 😉 Die Strassen sind ausnahmsweise mal ziemlich gerade, wodurch wir schnell vorwärts kommen und das Wetter ist mehrheitlich fantastisch mit stahlblauem Himmel. Da wir gut in der Zeit sind, machen wir noch einen kurzen Abstecher zum Nugget Point Lighthouse, einem Leuchtturm, der sich bereits in der Region „the Catlins“ befindet, einem Gebiet, welches wir beim Priorisieren wegpriorisiert haben (ja, irgendwo muss man leider auch bei 5 Wochen noch Abstriche machen…). Dass wir heute zumindest noch einen Eindruck davon erhalten haben, wie schön es dort wäre, ist toll und der Abstecher hat sich mehr als gelohnt. Sowieso sind wir heute mal wieder geflasht von der Schönheit der ganzen Landschaft und als wir dann über die Southern Scenic Route die Ostküste erreichen, haut es uns vor lauter Schönheit fast aus den Autositzen. Wir müssen alle paar Meter gefühlt anhalten, rechts von uns die wilde Küste, das Meer, die Strände, links von uns Schafherden am Grasen und in der Mitte tropische Pflanzen, Palmen und die Strasse. Manchmal sind wir fast etwas überfordert, aber diese Landschaft ist einfach der absolute Hammer und diese Farben… Wir wollen ans Meer (machen wir natürlich auch) und uns einfach alles reinziehen, das Schöne, was wir sehen, aber auch, das was auf den Fotos eben nicht zu sehen ist, das Rauschen der Wellen und das ganze Wilde von dieser Küste. Und so wird es dann wieder späterer Nachmittag, bis wir Dunedin, unser heutiges Tagesziel erreichen. Und dieses werden wir dann morgen erkunden, jetzt ist erst mal das Licht aus für heute. Guet Nacht und bis zum nächsten Mal…